An seinen Grenzen wandern

Beim Wandern geht es meist nicht um Höchstleistungen und Grenzerfahrungen. Wollen ambitionierte Wanderer trotzdem ihre Grenzen ausloten, bieten 24-Stunden-Wanderungen oder Marathonwandertage eine Gelegenheit. Glücklicherweise aber ohne Best-, Zwischen- oder Zielzeiten.

Sowohl in der Schweiz wie auch in Österreich und Deutschland werden zahlreiche 24- Stunden-Wanderungen angeboten, die sich grosser Beliebtheit erfreuen. So sind die meist begrenzten Teilnehmerplätze oft schnell vergriffen. Doch warum stellen sich so viele Freizeitsportler einer Herausforderung wie einer 24-Stunden-Wanderung oder einem Wandermarathon? Was macht den Reiz aus, etwa bei miserablem Wetter 45 Kilometer zu wandern, bis die Füsse wund sind?

Walter Tschopp organisiert im sechsten Jahr die 24-Stunden-Wanderung im Rätikon. Für ihn sind vor allem die Sicherheit und das Gruppenerlebnis ausschlaggebend. «Wir wollen unsere Teilnehmer fordern, aber nicht überfordern», sagt Tschopp. Er wolle den Menschen eine Auszeit bieten, die sie so schnell nicht vergessen: «Wir gehen in kleinen Gruppen, begleitet von einem Bergführer. So haben die Teilnehmer das Gefühl, etwas Verrücktes zu tun, eine grosse Anstrengung zu bewältigen. Sie können sich dabei völlig auf sich konzentrieren, haben nichts mit der Routenplanung, der Logistik oder möglichen Gefahren zu tun. Das ist für viele die perfekte Gelegenheit, abzuschalten und sich ganz auf die Berge, die Natur und den eigenen Körper einzulassen.»

Alpines Hochgefühl beim Wandern

Mit der 24-Stunden- Wanderung will Walter Tschopp eine Brücke zwischen den Generationen schlagen: «Wir wollen den Jüngeren zeigen, wie viele Facetten das Wandern hat. Das gelingt übrigens auch bei vielen Bergsteigern, die bei unserem Anlass erleben, dass man auch als Wanderer ein alpines Hochgefühl erleben kann.» Spricht man mit Veranstaltern in Deutschland, so scheint hier die Lust auf die Herausforderung besonders ausgeprägt zu sein. Markus Franz organisiert den Frankenwald-Wandermarathon. Für ihn ist es bei den deutschen Teilnehmern schon mehr der Leistungsgedanke, der zu einer Anmeldung führt: «Wenn du eigentlich nicht mehr kannst, aber für die nächsten zwei Kilometer läuft ein Leidensgenosse mit dir, der noch absolut frisch wirkt und der dir gut zuspricht, dich ein bisschen ablenkt von den pochenden Füssen, dann ist das die beste Motivation.»

 

Unterwegs mit Wanderprominenz

Neben den genannten Anlässen hat ein weiteres Phänomen munteren Zuspruch: Wanderungen, die von Bergsportidolen organisiert und begleitet werden. Zum Beispiel die inzwischen legendären Anlässe von und mit Hans Kammerlander. Nur zu wenigen Terminen führt der weltbekannte Bergfex eine Gruppe Unerschrockener auf Wahnsinnsdistanzen durch die Alpen. Schon vor zwei Jahren erklärte er: «Meine Extremwanderungen könnte ich auch an zwanzig Terminen im Jahr anbieten – und wäre restlos ausgebucht.» Mehr zu den 24-Stunden-Wanderungen finden Sie auf diesen Links: 

www.wandern.ch/24stunden
www.magazin-wandern.ch